Risikofaktor Sarkopenie – Wenn Sie Ihre Kräfte verlassen

Dass sich bei jedem Menschen im Laufe des Lebens sowohl die Körperzusammensetzung als auch die Körperfunktion verändert, ist allgemein bekannt.
Mit zunehmendem Alter kommt es u.a. zu einem progressiven Muskelabbau einhergehend mit funktionellen Beeinträchtigungen. Dieser mit zunehmendem Alter natürliche Verlust an Muskelmasse und Muskelkraft wird als Sarkopenie bezeichnet. Hiervon betroffen sind in Deutschland ca. 6% aller über 65-Jährigen. Mit dem Verlust der Muskelmasse und -kraft entfällt ebenso der stabilisierende Einfluss der Muskelkraft auf den Bewegungsapparat. Dies hat zur Folge, dass das Gleichgewicht gestört wird und es zu einem erhöhten Sturzrisiko bei den Betroffenen kommt. Das erhöhte Risiko zu stürzen, schränkt wiederum die Selbstständigkeit und Mobilität ein. Mit den negativen Auswirkungen gehen ebenso eine reduzierte Lebensqualität und Lebenserwartung einher. Des Weiteren nimmt das viszerale Fett zu, wodurch entzündungsfördernde Prozesse, welche wiederum z.B. kardiovaskuläre Erkrankungen oder die Entstehung von Diabetes mellitus begünstigen, gefördert werden.

Was bedeutet Sarkopenie?

Sarkopenie beschreibt einen zunehmenden Verlust an Muskelkraft, -masse und -funktion. Mit diesem Verlust einher gehen häufig u.a. ein erhöhtes Sturzrisiko, Frakturen und allgemein Funktionseinschränkungen. Hierbei lässt die Muskelkraft schneller nach als die Muskelmasse.
Eng im Zusammenhang stehen die Sarkopenie und die Gebrechlichkeit – auch frailty genannt. Gebrechlichkeit meint die erhöhte Vulnerabilität älterer Menschen. Dies wiederum beschreibt die erhöhte Anfälligkeit älterer Menschen für Erkrankungen, Überlastung und Unruhe.
Von der Sarkopenie abzugrenzen ist jedoch die Kachexie, welche durch einen pathologischen Gewichtsverlust gekennzeichnet ist.
 

Was verursacht Sarkopenie?

Die Entstehung von Sarkopenie ist bis dato noch nicht vollständig geklärt. Es soll mehrere Faktoren geben, die die Erkrankung begünstigen.
Hierbei gilt eine unzureichende Proteinzufuhr als eine der Hauptursachen der Sarkopenie. Insbesondere stellt der Mangel der essenziellen Aminosäure Leucin einen gravierenden Risikofaktor dar. Der Verlust von Muskelkraft resultiert v.a. aus einer altersbedingt reduzierten Proteinbiosynthese.

Neben dem Proteinmangel führt ebenso ein Mangel an Mikronährstoffen zur Abnahme der Muskelmasse und -kraft. Auch existieren wissenschaftliche Erkenntnisse, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Sarkopenie und einem niedrigen Vitamin-D-Status zeigen.

Endokrinologische Veränderungen bei zunehmendem Alter führen zu einer Reduktion der anabolen Hormone – Testosteron-, Wachstumshormon- und IGF-1-Spiegel – bzw. einer Resistenz gegen diese. Dies wiederum beeinträchtigt die Muskelfunktion.

Auch stellt Adipositas einen der Faktoren dar, die Sarkopenie begünstigen. Adipositas trägt zur Verfettung der Skelettmuskulatur und chronischen Inflammation bei, wodurch es zu Beeinträchtigungen der Muskelfunktion kommt.

Therapie

Im Rahmen der Primärversorgung wird Sarkopenie mittels eines Screening-Fragebogens diagnostiziert. Weitere, darauffolgende Tests umfassen das Bestimmen der Arm- und Beinmuskelkraft und sofern ein pathologisch erniedrigter Wert festgestellt wird, wird der sogenannte Skellettmuskelindex bestimmt.

In frühen Stadien der Sarkopenie gilt die Erkrankung als teilweise reversibel.
Das Einleiten therapeutischer Maßnahmen sollte demzufolge bereits bei Präsarkopenie erfolgen.
Der Fokus der therapeutischen Maßnahmen sollte in den Bereichen des körperlichen Trainings und der Ernährung liegen.

Wissenschaftlich erwiesen ist, dass es einen Zusammenhang zwischen körperlicher Inaktivität und dem Verlust der Muskelmasse und -kraft gibt. Körperliche Bewegung/ Sport schützt hier sowohl präventiv vor Sarkopenie als auch unterstützt körperliche Bewegung den Behandlungsprozess als solchen. Des Weiteren konnten Studien zeigen, dass auch im hohen Alter Trainingseffekte in Form von Muskelzuwachs erzielt werden können. Für ein effektives Reduzieren des Sturzrisikos ist eine Kombination aus Kraft- und Gleichgewichtstraining notwendig.

Neben dem körperlichen Training ist die richtige Ernährung mitentscheidend für eine erfolgreiche Therapie im Rahmen der Behandlung von Sarkopenie.
Ältere Menschen, die überwiegend von der Erkrankung betroffen sind, haben einen höheren Proteinbedarf, da die Proteinbiosynthese bei ihnen verzögert ist. Hierbei beachtet werden sollte jedoch, dass bei Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz im Rahmen der Proteinzufuhr der Wert von 0,8 g pro Kg Körpergewicht nicht überschritten werden sollte.
Auch sollte die Vitamin-D Versorgung optimiert werden, da Vitamin D besonders bedeutsam im Hinblick auf die Muskelfunktion ist.

Der Trainingseffekt kann durch das Supplementieren essenzieller Aminosäuren, v.a. der Aminosäure Leucin, gesteigert werden. Essenziell meint, dass die Zufuhr von Leucin über Lebensmittel notwendig ist, da der Körper diese Aminosäure nicht selbst herstellen kann. Leucinhaltige Lebensmittel sind z.B. Rindfleisch, Schweinefleisch, Thunfisch, Magerquark oder Erbsen.

Zusammenfassung

Sarkopenie umfasst einen den gesamten Körper betreffenden Verlust an Muskelmasse, -kraft und -funktion. Die Folgen der Erkrankung sind weitreichend, wobei im Fokus eine reduzierte Lebensqualität – aufgrund der häufig mit der Erkrankung einhergehenden Einschränkungen – und eine erhöhte Sterblichkeitsrate stehen.
Eine Sarkopenie als solche korreliert stark mit Gebrechlichkeit und einem erhöhten Sturzrisiko, besonders bei älteren Menschen. Gewichtsverlust und Veränderungen der Körperzusammensetzung stellen wesentliche Folgen der Sarkopenie dar. Mögliche Ursachen dieses Prozesses sind u.a. hormonelle Veränderungen, erhöhte Entzündungswerte, eine zunehmende körperliche Inaktivität und Mangelernährung. Das Identifizieren gefährdeter Patienten erfolgt über ein Screening, das die Muskelkraft und Funktionsbereiche des Alltags testet. Sobald eine beeinträchtigte Muskelkraft festgestellt wird, sollten therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden. Eine deutliche Reduktion der Muskelmasse ist für das Einleiten der Maßnahmen nicht erforderlich. Am effektivsten ist eine Kombination aus einer bedarfsdeckenden, eiweißreichen (v.a. leucinreichen) Ernährung in Verbindung mit körperlichem Training.
Das Verhindern bzw. Therapieren von Sarkopenie führt dazu, dass der Bedarf einer Langzeitpflege – die ggf. aufgrund der Einschränkungen im Alltag besteht – verringert wird und die Sterblichkeitsrate geringgehalten wird.

Auch wenn Sie Ihre Kräfte verlassen haben, lassen Sie nicht nach und bleiben Sie am Ball. Ihr Körper und ihr Wohlbefinden werden es Ihnen danken!

Mit sportlichen Grüßen,

Estelle vom Curati Team

 

Quellen:
- https://www.memoryclinic.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Publikation_Buess2013.pdf
- https://www.researchgate.net/profile/Dorothee-Volkert/publication/238203633_Malnutrition_Sarkopenie_und_Kachexie_im_Alter_-_Von_der_Pathophysiologie_zur_Therapie/links/02e7e53b310be64a92000000/Malnutrition-Sarkopenie-und-Kachexie-im-Alter-Von-der-Pathophysiologie-zur-Therapie.pdf
- www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4269139/
- Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei Sarkopenie | SpringerLink (!)
à Zertifizierte Fortbildung Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen bei Sarkopenie
=> Anna Schaupp · Sebastian Martini · Ralf Schmidmaier · Michael Drey/ Medizinische Klinik IV, Schwerpunkt Geriatrie, LMU Klinikum München, München, Deutschland